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Schlagwort-Archive: Deutschunterricht

Unsere Schüler können mehr!

Als Lehrerin an eines Gymnasiums mit Schwerpunkt sehe ich mich immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert, wie unsere Schüler sind. Natürlich können sie nichts Anderes als das, was dem Schwerpunkt entspricht, und alle werden natürlich ein Studium oder eine Ausbildung in diese Richtung absolvieren. Das stimmt für die meisten, aber unsere Schüler können noch viel mehr! Und solange wir das auch immer wieder an die Öffentlichkeit bringen, habe ich Hoffnung, dass die Vorurteile abnehmen. Umso stolzer war ich, als auch ich einen Teil dazu beitragen konnte.

Im Februar nahm ich mit zwei 8. Klassen an einem Zeitungsprojekt teil. Unter anderem schrieben die Schüler hier auch eigene Zeitungsartikel über Themen, die sie interessieren. Diese konnten bei einem Wettbewerb eingereicht werden.

Schon vor 2 Monaten erfüllte es mich mit Stolz, dass mehrere Artikel meiner Schüler in der Printausgabe zu finden waren – hier landen nämlich nur die besten! Noch stolzer war ich aber, als mich dann im Mai ein Anruf erreichte, dass eine meiner Schülerinnen tatsächlich einen Preis gewonnen hatte! Ihr Artikel war unter den besten 7 Artikeln von mehr als 300 eingereichten Beiträgen. Wahnsinn! Noch bis heute kann ich es nicht glauben, obwohl die Gewinner mittlerweile ausgezeichnet und in der Zeitung präsentiert wurden.

Die Preisverleihung war vor allem für die Schüler aufregend. Ich durfte nicht verraten, wer gewonnen hat, sodass die Spannung zum Zerreißen hoch war.
Da standen 6 fremde Menschen vor der Klasse, plus Schulleiter und ich. Und natürlich freuten sich alle, besonders aber die Schülerin, über die Preise, u.a. Geld für die Klassenkasse (die es offiziell nicht mehr geben darf, aber das ist ein anderes Thema). Und sogar ich ging nicht mit leeren Händen nach Hause – obwohl ich bis heute der Meinung bin, dass mein Anteil nicht soooo groß war, um auch Geschenke zu verdienen.

Mein größtes Geschenk ist, dass ich es geschafft habe, unsere Schüler in der Öffentlichkeit, zumindest in der Zeitung, mal von einer anderen Seite zu zeigen. Denn in ihnen steckt viel mehr, als man von außen betrachtet glaubt. Nur nehmen sich zu wenig Menschen Zeit, mal hinter die Fassade und den Namen unserer Schule zu schauen.

 
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Verfasst von - 1. Juli 2015 in Allgemein

 

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Es raschelt im Klassenraum

Konzentriert, motiviert und engagiert sitzen die Schüler an ihren Arbeiten. Und dennoch ist es in diesen Tagen keinesfalls ruhig im Deutschunterricht. Es raschelt überall – denn wir lesen noch immer Zeitung. Und heute sind wir sogar selbst in der Zeitung gewesen! Den Artikel müssen sich sofort alle Schüler ausschneiden – natürlich nachdem sie ausgiebig das Foto unter dem Artikel kritisiert haben. Schließlich will man sich da von der besten Seite zeigen.

Warum meine Schüler in der Zeitung sind? Ganz einfach! Im Rahmen unseres Projekts war gestern ein Lokalredakteur bei uns im Unterricht und hat mit uns über seinen Beruf und die aktuelle Zeitung gesprochen.
Ich glaube, das war ein super Einblick für meine sonst so weltfremd scheinenden Schüler, auch wenn es nicht durchgängig spannend war. Wer liest heutzutage schon noch Zeitung? Und dann ist auch klar, dass auf die Frage, was sie in der Zeitung vermissen, diese Antworten kommen: YouTube-Stars, Computerspiele, neue technische Entwicklungen, usw.

Weder in der Zeitung noch bei meinen Schülern wird sich wohl viel ändern, aber immerhin beschäftigen sie sich 4 Wochen mit diesem Medium und das ist besser als nichts. Und vielleicht lesen auch 2-3 Schüler weiter Zeitung, meinetwegen auch online.

 
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Verfasst von - 20. Januar 2015 in Allgemein

 

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Auch wir sind Charlie!

Natürlich verfolge ich auch voller Entsetzen die Geschehnisse in Paris und Umgebung. Als Lehrer stehe ich auch in der Pflicht, die Schüler darüber aufzuklären und mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen. Und Gesprächsbedarf haben sie jede Menge.

Im Moment erhält jeder Schüler meiner beiden 8. Deutschklassen eine kostenlose Aufgabe der aktuellen, regionalen Tageszeitung. Ich möchte die verschiedenen Textsorten mit den Schülern behandeln, sie eigene Artikel schreiben lassen und sie natürlich auch an das Lesen von Zeitungen heranführen, sie evt. sogar dafür begeistern. (Bisher nehmen sie die Zeitungen immer sehr gespannt entgegen und tauschen sich rege über die Inhalte aus.)

Gestern wollte ich dann mit meinen Schülern die Titelseite unserer Tageszeitung mit der einer berühmten Boulevardzeitung (B*LD) vergleichen, um die Unterschiede zwischen seriösen und populären Zeitungen herauszustellen. Aufgrund des schrecklichen Terroranschlags hatten wir Glück, dass beide Zeitungen dasselbe Titelthema hatten und wir umso besser vergleichen konnten. Und gleichzeitig kamen wir über die Hintergründe des Attentats ins Gespräch – vor allem nahmen wir den Artikel der Boulevardzeitung auseinander, da dieser sehr… naja, eigen… war. Ihr wisst sicher, was ich meine. Man konnte vor allem über die Wortwahl eigentlich nur noch lachen, weil es so traurig und propagandistisch war. Und manchmal fühlte ich mich an manch berühmte politische Reden aus den 30ern erinnert…
Umso besser konnte ich meine Schüler allerdings aufklären. Am erschreckendsten fand ich jedoch, dass die Schüler wohl noch in keinem anderen Fach darüber geredet hatten. Viele fragten mich, welche Hintergründe das Attentat hat und warum die Pegida in dem Zusammenhang immer wieder erwähnt wird. Redet man darüber zu Hause nicht? Bin ich der einzige Lehrer, der so etwas mal im Unterricht aufgreift? (Ich mache das auch nicht wirklich oft, aber bei solchen großen, von Menschen verursachten Katastrophen muss man sich doch wenigstens mal 10 Minuten Zeit nehmen, oder?)

Wir gingen gestern alle nach der 7. Stunde zufrieden nach Hause.
Nur einige Schüler schienen noch nicht verstanden zu haben, worauf ich unter anderem gestern hinauswollte. Als ich die Boulevardzeitung verschenken wollte, weil ich mir das wirklich nicht antun kann, meldeten sich immerhin 2 Schüler, die diese unbedingt haben wollten. Auf meine Nachfrage, ob sie denn heute gar nichts bei mir gelernt hätten, sagten sie (zu ihrem Glück): „Doch, aber das ist doch total lustig!“
Recht hatten sie, obwohl nach wenigen Artikeln selbst der Spaß vergeht. Dann kann man nur noch den Kopf schütteln… Hoffentlich erkennt das auch noch der letzte Schüler.

 
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Verfasst von - 9. Januar 2015 in Allgemein

 

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Spiel zur Rhetorik und Argumentation

Heute habe ich schon das 3. oder 4. Mal in meiner kurzen Lehrerkarriere ein Spiel zum Einstieg in das Argumentieren und Erörtern gespielt. Da es nicht nur mir, sondern auch den Schülern immer wieder so viel Spaß bereitet, möchte ich es gerne teilen. Vielleicht kennen einige von euch das schon oder spielen es in abgewandelter Form.

Zunächst fordert man die Schüler ohne jegliche Hintergrundinformationen zum Thema auf, einen beliebigen Gegenstand auf einen kleinen Zettel zu schreiben. Das kann einfacher Gegenstand wie ein Tisch oder ein Kühlschrank sein, man kann aber auch komplizierte Begriffe nehmen, wie z.B. Teilchenbeschleuniger o.Ä.
Anschließend werden alle Zettel eingesammelt, gut gemischt und wieder ausgeteilt. Jeder Schüler sollte einen neuen Zettel und nicht den eigenen erhalten.
Nun bekommen die Schüler 8-10 Minuten Zeit, um eine 1-minütige Rede vorzubereiten, in der sie die Klasse davon überzeugen sollen, dass dieser Gegenstand der Wichtigste auf der Welt ist bzw. warum er der letzte sein sollte, wenn es nur noch einen Gegenstand auf der Welt geben könnte. Dabei müssen die Schüler argumentieren, ihre Rede logisch strukturieren und natürlich auch entsprechend interessant rhetorisch agieren. Der Lerneffekt ist hoch, der Spaßfaktor ebenso. (Heute wurde zum Beispiel erklärt, warum Geschirrspüler, Krankenkassenkarten oder Baumkuchen so überlebenswichtig sind. Herrlich!!!)

Ich habe das Spiel schon in allen Klassenstufen von 7-10 gespielt, wobei 9 und 10 kreativer in der Ausgestaltung und weitaus wortgewandter waren. Den Kleineren hatte es aber auch Spaß gemacht und sie haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln können.

Abgekupfert hatte ich die Idee von meiner eigenen Deutschlehrerin aus der Oberstufe. Wir sollten damals ein beliebiges Substantiv auf einen Zettel schreiben und hatten dann ungefähr 20-25 Minuten Zeit, um eine 5-minütige Rede vorzubereiten. Da in einer Stunde nicht alle drankommen konnten, bekamen wir die Zettel nicht alle auf einmal, sondern immer in zeitlichen Abständen. Das fand ich gut.
In der Rede sollten wir logisch und zusammenhängend über dieses Substantiv reden – egal, ob wir eine politisch-kritische Rede, eine Werbesendung o.Ä. gestalteten. In diesem Spiel ging es lediglich um die Rhetorik. Mir hat es als Schüler sehr viel Spaß gemacht. (ich möchte wieder Oberstufe unterrichten! 😉 )

 
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Verfasst von - 7. Oktober 2014 in Allgemein

 

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