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Und nochmal ein contra für die Privatschule…

Am letzten Donnerstag hatten wir Elternsprechtag. Schon als ich das Wort hörte, wurde mir etwas anders. Als dann relativ schnell die ersten Anmeldungen von – aus meiner Sicht unproblematischen – Schülern (bzw. deren Eltern) eintrudelten, wurde mir noch komischer. Mache ich etwas falsch? Bin ich doch zu streng? Oder wollen sie mich nur kennenlernen?

Mit ungutem Gefühl erinnerte ich mich an die Eltern der Privatschule zurück. Natürlich gab es auch hier nette Eltern, aber bei den meisten war es doch so, dass sie von mir als Lehrkraft gute Noten erwarten – und zwar nicht im Gegenzug zu guter Leistung ihrer Kinder, sondern weil sie wahnsinnig viel Geld für die Schule bezahlen. Dementsprechend waren dann auch die Gespräche. Unterschwellige Vorwürfe, heftig formulierte Forderungen.
Ich erinnere mich an eine Mutter: „Mein Kind wird in der Klasse gemobbt und wir wissen nicht, was wir tun können. Und wenn wir uns einmischen, wird es wahrscheinlich sogar noch schlimmer. Kümmern Sie sich bitte darum. In 4 Wochen möchte ich Ergebnisse sehen. Ansonsten komme ich einfach noch einmal vorbei. Vielen Dank, Frau Zappelbein.“ Und schon war die Mutter zur Tür heraus. Und ich stehe da, seit 4 Monaten aus dem Referendariat und das erste Mal vollkommen überfordert in meiner Rolle als Klassenlehrerin. Natürlich habe ich in meiner Ausbildung mehrere Methoden theoretisch vermittelt bekommen, aber welche wende ich an? Was funktioniert in dem Fall wirklich gut? Und was passiert, wenn es noch schlimmer wird, weil ich mich als Lehrerin einmische? Das alles ging mir durch den Kopf und gleichzeitig war ich froh, dass in 6 Wochen Sommerferien waren und ich dann die Schule verlassen konnte. (Um den Mobbingfall habe ich mich trotzdem erfolgreich gekümmert.)
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit ehemaligen Lehrern der Schule: „Der Hauptgrund, dass ich gegangen bin, war die Angst vor den Eltern. Die erwarten so viel von einem, akzeptieren keine Kritik an ihren Kindern und schlechte Noten werden sofort mit einem Elterngespräch quittiert. Man traut sich gar nicht, schlechte Noten zu verteilen und überlegt jedes Mal, ob man nicht doch noch eine 3 geben könnte.“ (Irgendwie stimmt das leider…)

Und nun stehe ich hier, der erste Elternsprechtag am öffentlichen Gymnasium steht an.
Aufgeregt sitze ich in meinem Raum und warte auf die ersten Eltern.
Mutter Nummer 1 ist herzallerliebst. „Wir haben 3 Söhne und die beiden großen haben Probleme in Englisch. Ich wollte einfach mal hören, wie sich unser jüngster in Englisch schlägt.“ – Ein nettes Gespräch folgt.
Bei Mutter Nummer 2 und 3 ist es ähnlich. Sie wollten nur mal hören, wie es so läuft. Beide waren so herzlich und freundlich, dass ich noch heute darüber staune.
Vater Nummer 4 ist mit der 6 im Diktat nicht einverstanden, die sein Sohn geschrieben hat. Ich erkläre ihm noch einmal, wie diese zustande kam und was Söhnchen jetzt machen kann. Etwas unzufrieden wirkt er noch immer, als er meinen Raum verlässt, aber ich habe mein Bestes gegeben. Was soll ich auch machen? Die 6 zurücknehmen? Nee, da muss er jetzt durch und beim nächsten Mal einfach besser aufpassen und lernen.
Elternpaar Nummer 5 ist wieder überaus freundlich. Sie sind zwar auch wegen der schlechten Diktatnote besorgt, aber feilschen nicht um die Note, sondern bitten um Tipps, wie Söhnchen das wieder ausbügeln kann.

Alles in allem ging ich überaus glücklich und zufrieden aus den Gesprächen. Als ich meine Kollegin im Lehrerzimmer treffe, sage ich nur breit lächelnd aus vollstem Herzen zu ihr: „Die Eltern hier sind ja soooo nett. Man merkt doch ganz klar den Unterschied zwischen Privatschule und öffentlicher Schule.“
Denn wir sind zwar auch eine Eliteschule, aber die Schüler kommen zu uns, weil sie etwas können und nicht, weil die Eltern eine eigene Firma haben und es sich leisten können.

 
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Verfasst von - 23. November 2014 in Allgemein

 

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