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Auch wir sind Charlie!

Natürlich verfolge ich auch voller Entsetzen die Geschehnisse in Paris und Umgebung. Als Lehrer stehe ich auch in der Pflicht, die Schüler darüber aufzuklären und mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen. Und Gesprächsbedarf haben sie jede Menge.

Im Moment erhält jeder Schüler meiner beiden 8. Deutschklassen eine kostenlose Aufgabe der aktuellen, regionalen Tageszeitung. Ich möchte die verschiedenen Textsorten mit den Schülern behandeln, sie eigene Artikel schreiben lassen und sie natürlich auch an das Lesen von Zeitungen heranführen, sie evt. sogar dafür begeistern. (Bisher nehmen sie die Zeitungen immer sehr gespannt entgegen und tauschen sich rege über die Inhalte aus.)

Gestern wollte ich dann mit meinen Schülern die Titelseite unserer Tageszeitung mit der einer berühmten Boulevardzeitung (B*LD) vergleichen, um die Unterschiede zwischen seriösen und populären Zeitungen herauszustellen. Aufgrund des schrecklichen Terroranschlags hatten wir Glück, dass beide Zeitungen dasselbe Titelthema hatten und wir umso besser vergleichen konnten. Und gleichzeitig kamen wir über die Hintergründe des Attentats ins Gespräch – vor allem nahmen wir den Artikel der Boulevardzeitung auseinander, da dieser sehr… naja, eigen… war. Ihr wisst sicher, was ich meine. Man konnte vor allem über die Wortwahl eigentlich nur noch lachen, weil es so traurig und propagandistisch war. Und manchmal fühlte ich mich an manch berühmte politische Reden aus den 30ern erinnert…
Umso besser konnte ich meine Schüler allerdings aufklären. Am erschreckendsten fand ich jedoch, dass die Schüler wohl noch in keinem anderen Fach darüber geredet hatten. Viele fragten mich, welche Hintergründe das Attentat hat und warum die Pegida in dem Zusammenhang immer wieder erwähnt wird. Redet man darüber zu Hause nicht? Bin ich der einzige Lehrer, der so etwas mal im Unterricht aufgreift? (Ich mache das auch nicht wirklich oft, aber bei solchen großen, von Menschen verursachten Katastrophen muss man sich doch wenigstens mal 10 Minuten Zeit nehmen, oder?)

Wir gingen gestern alle nach der 7. Stunde zufrieden nach Hause.
Nur einige Schüler schienen noch nicht verstanden zu haben, worauf ich unter anderem gestern hinauswollte. Als ich die Boulevardzeitung verschenken wollte, weil ich mir das wirklich nicht antun kann, meldeten sich immerhin 2 Schüler, die diese unbedingt haben wollten. Auf meine Nachfrage, ob sie denn heute gar nichts bei mir gelernt hätten, sagten sie (zu ihrem Glück): „Doch, aber das ist doch total lustig!“
Recht hatten sie, obwohl nach wenigen Artikeln selbst der Spaß vergeht. Dann kann man nur noch den Kopf schütteln… Hoffentlich erkennt das auch noch der letzte Schüler.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 9. Januar 2015 in Allgemein

 

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