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Ich will nicht singen!

Es ist eine alte Tradition. Es ist eine sinnvolle Tradition. Es ist eine schöne Tradition. Als ich jedoch hörte, dass ich dieses Jahr aktiv daran teilnehmen soll, wurde mir für einen Moment ganz anders.

Jedes Jahr singen unsere Fünftklässler für die neugierigen zukünftigen Schüler unseres Gymnasiums am Tag der offenen Tür ein englisches Lied. „Let’s get started, we’re on our way. We’re learning English, let’s go, hooray!“
Das bedeutet im Klartext: Ich muss es mit den Schülern einstudieren. Dabei kann ich doch gar nicht singen. Zumindest nicht vor anderen. Im Auto funktioniert das hingegen super, auch in Gesellschaft meines Verlobten. Aber vor der ganzen Klasse? Schon beim Gedanken daran bekomm ich Schweißausbrüche.

Was denkt ihr, wie froh ich dann war, als ich gestern nicht so weit mit den Fünfern gekommen war wie geplant. Ich dachte, ich könnte das noch weiter aufschieben – wenigstens auf Mittwoch. Aber Pustekuchen. Heute haben sie sich besonders beeilt. Ich war auch selbst schuld daran. Warum stelle ich auch den CD-Player (just in case) mitten auf den Lehrertisch, sodass sich alle Kinder denken können, dass wir heute noch etwas Besonderes machen? Schließlich kennen sie das Ding nur aus der Grundschule, wo immer schöne Musik zum Englischlernen herauskam. Dass man den CD-Player auch zum Abspielen von anderen Titeln benutzen könnte, kam ihnen nicht in den Sinn.
Und so beeilten sie sich heute sehr mit dem Beenden der Aufgabe, damit wir endlich singen konnten. Und ich sah mein Unheil kommen.

Immer weiter zögerte ich das Singen heraus. Erst einmal den Text austeilen. Dann lesen und verstehen lassen. Und schließlich abspielen, damit sie mal hören können. Danach würde es wohl zum Singen kommen müssen…
Doch ich musste mich gar nicht blamieren. Zu meiner Verwunderung sangen fast alle Kinder schon beim 2. oder 3. Refrain selbstständig (und vor allem richtig) mit. Kaum war das Lied zu Ende, bekam ich die Bitte, es doch noch einmal und noch einmal und noch einmal zu spielen. Und als dann alle Kinder begeistert mitsangen, tat ich das im Chor auch. (Im Chor mache ich das auch sehr gern, da ich nicht im Mittelpunkt stehe.)

So wurde aus dem Horror, den ich mir vorher ausgemalt hatte, eine wunderschöne Englischstunde, in der alle Kinder voller Enthusiasmus dabei waren. Sogar nach dem Pausenklingeln musste ich das Lied noch einmal anmachen – für die Pausenunterhaltung. 🙂

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Ein Kommentar

Verfasst von - 16. September 2014 in Allgemein

 

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