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Der schönste Beruf der Welt

Zufrieden lächelnd sitze ich heute im Auto und fahre nach Hause. Es lief bei weitem nicht alles perfekt, aber trotzdem ziehe ich eine positive Bilanz.

Meine 10. Klasse in Deutsch war mir am Anfang des Schuljahres ziemlich suspekt. Sie prüften mich auf Herz und Nieren, als könnte so ein junges Ding ihnen nicht das Wasser reichen oder ihnen gar etwas beibringen. Dabei möchten sie doch in 3 Jahren Abitur machen. Nur sehr langsam näherten wir uns an. Einen ersten Schritt der Auflockerung schaffte ich mit meinem Argumentationsspiel, das ich hier schon einmal beschrieben hatte. Doch so richtig warm wurden wir nicht miteinander und ich fand mich schon fast damit ab, dass die Klasse und ich einfach nicht „zueinander passen“. Solch eine 10. Klasse hatte ich schon einmal im Referendariat in Englisch – egal, was ich machte, es herrschte immer eine eher kühle Stimmung, aber keinesfalls bösartig. Seit 2 Wochen gehe ich aber lieber denn je in die Klasse. Irgendwie ist nämlich der Knoten geplatzt. Die Schüler arbeiten mit, sie lachen mit mir gemeinsam, sie stellen Fragen (und interessieren sich dabei auch für die Persönlichkeit hinter der Lehrerfassade). Sie fragten mich sogar schon, ob ich sie zu Abitur führen würde. Und ich bin stolz, weil ich so viel Lernzuwachs sehe, so viel wachsendes Interesse am Fach. Die letzten Jahre lief es im Deutschunterricht nicht so rund, Stunden fielen aus, viel wurde nicht behandelt (Langzeiterkrankung einer ehemaligen Kollegin). Das ist für mich eine starke Herausforderung, aber wenn ich jetzt schon sehe, was ich alles mit meinem Unterricht erreicht habe, bin ich wirklich stolz.

Außerdem konnte ich heute mal wieder beobachten, wie gut sich doch unsere 5.-Klässler eingelebt haben. Waren sie am Anfang noch sehr scheu und zurückhaltend, drehen sie nun vollkommen auf und testen ihre Grenzen aus. Das ist alles normal, aber heute fand ich es besonders anstrengend. So anstrengend, dass ich die Kinder in der 5-Minuten-Pause raus auf den Hof schickte, sie eine Runde rennen ließ, danach 10 Kniebeuge machen ließ und erst dann meinen Unterricht fortsetzte. Es wirkte wahre Wunder! Nicht alle Kinder fanden meine kurze Mutation zur Sportlehrerin so super wie ich, aber wir konnten trotzdem darüber lachen.

Stolz bin ich auch auf meine 9er. Ich hatte sie damals schon im Referendariat in Englisch, es war auch meine Prüfungsklasse. Wir hatten schwere Zeiten, der ein oder andere mag sich vielleicht erinnern. Aber noch heute merke ich, wie sehr sich die Anstrengungen gelohnt haben. Die Leistungen sprechen für sich und das Verhältnis zu den Schülern ist einfach klasse. Manchmal fühle ich mich wie ihre Klassenlehrerin, der sie Probleme in anderen Fächern anvertrauen oder mit der sie sie bewegende Themen diskutieren möchten. Das kommt meinem Englischunterricht nicht immer zugute, aber andererseits finde ich solche Gespräche auch sehr wichtig für die Entwicklung der Schüler. Schließlich sind gerade die Jungs in der Hochblüte der Pubertät angekommen.

Gerade nach solchen Tagen kann ich nur immer wieder sagen: Lehrer ist der tollste Beruf der Welt, auch wenn es sehr anstrengende Phasen gibt. Aber die Mühe lohnt sich!

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Ein Kommentar

Verfasst von - 10. Dezember 2014 in Allgemein

 

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